11.06.09

Nur zwei Sätze

Potsdamer Platz, nachts, im dunklen, noch unerträglicher, selbst jetzt, ohne Licht. Parfümierte Frauen mit faltigem Ausschnitt denken hoffentlich nichts und ziehen an dünnen, langen Zigaretten, es stürmt, nur die blauen Ballons von Jeff Koons sind starr und unbeeindruckt und wünschen sich an einen anderen Ort, sicherlich, hofft man, und dann kommen immer mehr Menschen, selbst Herr Schupelius mit seltsamst toupierter Frisur stakt die kleinsten Treppenstufen der Welt hinunter. Besser als New York, Du Vogel!

09.06.09

Mission Berlin

Der nächste Morgen hatte Muskelkater. Die Straßen leergefegt, die Hauptstadt zuckte angeschossen, in den wenigen Gesichtern war das Entsetzen der Ernüchterung gewichen. Der Charlottenburger Harley-Shop Besitzer trug einen schwarzen Anzug und täuschte mit seinem Coffee-to-go Becher Metropolenfeeling vor, ein Aufbäumen gegen die Provinz in Hollywood und deren Akteure. Der deutsche Schauspieler. Sich küssende Schauspielschülerinnen. Der Coach, der Heiner. Heute verkaufe ich nicht eine Maschine, wusste der Harley-Shop Besitzer.
Na ja, ´ne Softtail, vielleicht. Die gehen immer, in Berlin. Fat Boys hingegen nicht. Die verkauft man nur in Hollywood. Und die werden dann an Til Schweiger vermietet.

08.06.09

Mission Hollywood

Wenn Michael Michalsky einen Koffercheck macht (Untalentierten Menschen mag man wohl helfen durch eine bedachte Auswahl an Kleidung, da ist Michalsky sich selbst leuchtendes Vorbild) und falsche Damennippel von Nöten werden, wenn Til Schweiger weiß, dass manche Frauen sich nicht gerne küssen und wenn junge Frauen in Billigkulissen Orgasmen hauchen, weiß man, wo man ist: Im deutschen Fernsehen. Hurra: Ein neuer Tiefpunkt. Übelst.

07.06.09

The Bingo Wall Of Death

Andy Cam
Naughty Nina
Pathetic Pat
Underwear Everywhere
Wicked Will
I want back my MTV.

05.06.09

Berliner Wahnsinn!

Die BILD-Zeitung beschreibt in ihrer heutigen Ausgabe ein Phänomen: Ein nur mühsames Vorankommen motorisierter Berliner (auch Stau genannt). Und das auch noch zur Mittagszeit. BILD sichtet viele (sehr viele!!) Touristenbusse. Auf der Friedrichstrasse! Checkpoint Charlie! Schockschwerenot! Mittags! Und dann auch noch von 12 bis 14 Uhr!
Es werden Fotos von verzweifelten Bürgern abgedruckt („Ein schreckliches Gedränge! Das nervt!“). Aber auch bei der BVG geht’s drunter und drüber am Mittag („Sitzplatz: Glücksache“)

Liebe BILD-Zeitung (bitte googlen: Rush Hour, Großstadt):
Umzug überstanden? Willkommen in Berlin. Seid froh dass Ihr nicht in einer Weltstadt lebt, da soll es sogar noch schlimmer sein.

03.06.09

Mein Freund Ullrich


Stichpimpuli bockforcelorum
Lahmacun, tiefgekühlt
Die größte Auswahl an Chips. Der Welt! In Berlin!
Auch an Feiertagen, von 11 bis 22 Uhr
Stichpimpuli bockforcelorum
Penner neben Promi. Oder umgekehrt.
Hier verschwimmen Grenzen
Security bitte Hardenbergstraße!
Stichpimpuli bockforcelorum
Ullrich am Zoo muss Weltkulturerbe werden!

01.06.09

Willkommen in Berlin!


Nach einer erfolgreichen Premiere beim "Achtung Berlin!" Festival gibt's unseren Film jetzt endlich komplett und kostenfrei im Netz.
Ein kleiner Film über eine große Stadt – oder umgekehrt.

In 14 Kapiteln als Stream oder als DVD Download. „Willkommen in Berlin“ besteht aus Interviewfragmenten, die wie Mosaiksteine ein Stadtportrait eines in den Medien eher selten erwähnten Berlins ergeben. Im Vordergrund stehen dabei die Unterschiedlichkeit, mit der die Stadt wahrgenommen wird und die Frage, welche Rolle in diesem Zusammenhang Herkunft der jeweiligen Gesprächspartner und ihre persönlichen Geschichten in und mit Berlin spielen.


WILLKOMMEN IN BERLIN
Was passiert in Berlin? Welche Menschen zieht die Stadt an? Ist Berlin wie New York? Ist die Ost-West-Thematik noch relevant? Hat Berlin seine Chancen seit dem Mauerfall genutzt? Ist der architektonische Wiederaufbau der Stadt gelungen? Warum sinken Berlins Einwohnerzahlen? Ist die Orientierung an den "Goldenen 20ern" sinnvoll? Ist das Berliner Meckern eine Diskurs-Form? Hat das, was sich auf Berlins roten Teppichen abspielt, etwas mit Glamour zu tun? Lohnt es sich überhaupt, diesen und ähnliche Fragen nachzugehen?
Ein Film über die Stadt als Projektionsfläche, die Fragwürdigkeit Berlins verlogener Selbstbespiegelung und die Kontraproduktivität des wunderlichen Anspruchs Weltstadt zu sein.


Interviewpartner: Maxim Biller, Rolf Eden, Michi Beck, Michel Würthle, Djamila Rowe, Doris Schretzmayer, Ralf Schmerberg, Roger Boyes, Felix Theissen, Axel Bauer, Ulf Poschardt, Peter Glückstein und andere.
Sprecher: Peter Fitz


Den Film und weitere Infos gibt’s hier:
http://willkommeninberlin.net

31.05.09

Welk

Hallo Tiefpunkt. Wunderwaffe und irgendwie Alleskönner Oliver Welke (bekannt aus Stefan Raabs Dunkelshows) sitzt doch jetzt tatsächlich im ZDF hinter einem Schreibtisch, trägt Anzug und Schlips und führt durch eine „Satire“-Show namens „Heute-Show“? Wie zu erwarten war, ist auch dieses Machwerk in keiner Sekunde „lustig“, geschweige denn „satirisch“ und niemals „Show“. Lächerlich vielleicht: Die gequälte Souveränität des Moderators. Aber was will man schon von einem Menschen erwarten, der solche Sachen wie „Der Wixxer“ (mit zwei x!!) verbrochen hat und hier und da mal ein Fussballspiel kommentiert. Kopie Kopie! schreien alle und drehen ihren Kopf Richtung „Daily Show“ und Jon Stewart und das ist dann auch die einzige neue satirische Zutat im ewig dummen namens deutsches Fernsehen. Echt ekelig. Ich freu mich auf die Absetzung in ein paar Wochen.

30.05.09

Ghetto defendant

Aus einem der großartigsten Alben der Rockgeschichte - "Combat Rock"


29.05.09

Klamauk!

Herr Schupelius strikes again!

Ich glaube WIRKLICH dass seine Kolumne eine Verarsche ist.
Toll!


http://www.bz-berlin.de/archiv/die-post-schliesst-eine-filiale
-ohne-abschied-von-den-treuen-kunden-wie-unhoeflich-article472285.html

24.05.09

Die Achtfingerhand, der Hyperlativ














Das leerste Glas,
wie das schnellstwirksamste Medikament.
Von entscheidendster Bedeutung.
Du einzigste Möglichkeit.
Die optimalste Lösung.
Die reinste alle dreckigsten Seelen.



Der Roboter sitzt wieder über’m Gaszähler,
Du meinst da macht er mehr Sinn, nicht?
Du weißt, dass er sich vom Balkon stürzen wollte
wegen seines Rostgesichts?

Vielleicht war das seine Definition von Freiheit. Denn seinen Arm aus Eisen kann man nicht so einfach tätowieren.


Warum konntest Du diese Geschichte noch auswendig?
Das ist doch viel schwerer als Kochen.
Wir waren doch so betrunken in jener Nacht
Das hat mir fast das Herz gebrochen.

Deine Uhr liegt stumm neben meinem Bett.
Klapppinguine


Ich erkenne mich in dir:
Wir irren ruhelos durch wilde Welten.
Und stossen an mit warmem Bier
auf tote Sängerhelden.


Für A.





23.05.09

Cool, cooler, Köhler.


Herzlichen Glückwunsch.
Jedes Land hat den Präsidenten, den es verdient (blahblahblah).Na ja gut, sie sind ja nur so’n Spielzeugpolitiker. Stand ja auch auf der Packung. Jetzt konnte die Bundesversammlung den Kassenbon nicht mehr finden. Walter Scheel hat wenigstens noch Vinylplatten besungen! Diese Errungenschaft klingt heute ziemlich funky.
Und was Weizsäcker am 24.Mai 1998 gesagt hat, war irgendwie richtige Politik.

Wenigstens tun sie keinem weh. Beißen nicht. Warnen ab und zu mal, aber immer mit einem sanften Lächeln. Charmanz! Nicht das man das noch ernst nimmt! Ohgottohgottohgott.

lost

In a straight line
going straight on down
Here I call to you, a favourite friend of mine
Who’s leaning out too far
from the highest edge
I wish that I could say
you take me up, up and away
The sun comes through
Another day is new
and I can't see
sweetest glow, come over me

You changed your sin
to skinny cigarettes
Its springtime in your favourite part of town
The sun comes through
Another day is new
and I can't see
sweetest glow, come over me

Make me wait all night
To greet the morning dew
Oh, what are we coming to?
We look the way
the way lost lovers do.

22.05.09

Cuntstrasse


Nichts bleibt dem Blick verborgen, hier, vor der Toilette, alle müssen hier vorbei, irgendwann, und alle kommen sie heute Abend in die Paris Bar, alle, die üblichen und andere, es ist Berlinale und so ist auch heute Abend alles voll und laut und verqualmt und wir, die beiden unbekanntesten Berliner Stammgäste der Welt der Paris Bar, trinken noch mehr, mehr vom warmen Wodka. Michel kommt vorbei, bleibt stehen, zetert über den Tod seiner Frau und wir sitzen da und schauen hoch zu ihm und nicken hilflos und ehrfürchtig und er lacht traurig und geht dann wieder, aber nicht ohne einen Spruch in die Menge zu blasen, den keiner versteht, aber das ist ihm eh egal, dem Michel, glaube ich.

21.05.09

Erkenntnis 2.0

Ich laufe nur demjenigen hinterher, der schneller ist als ich.
Laut Facebook Quiz bin ich folgende historische Person: Adolf Hitler.
Ich bin aber auch ein kleiner rosa Nippel mit 40cm langem Penis.

Na endlich.

Warum sagt Roger Willemsen erst jetzt, nach so vielen Jahren blasierter, selbstgefälliger vokaler Ausdünstungen, erstmals wahre, nachvollziehbare Sätze?
„Seinen Höhepunkt aber erreicht der Exzess der Nichtigkeit, wo Heidi Nazionale mit Knallchargen-Pathos und einer Pause, bei der man die Leere ihres Kopfes wabern hört, ihre strenge Entscheidung mitteilt. So unterscheidet sie wertes von unwertem Leben.“
Naja, heute Abend ist die Staffel ja vorbei. Hoffentlich darf Seal nicht auftreten.

17.05.09

the buccaneer

My fingers beat the drum along to Squalor Victoria.
The convertible: Gil-Scott Heron singing in fading sunlight
Fading
Profession: Stranger
You know who you are: the buccaneer, the corsair
Nothing is over
"if we should meet again
Don´t try to solve the puzzle
Just lay down next to me
And please don´t move a muscle"

South Kensington, chat protocol fragment, January 2003

R.: my gasstation has stoli.
T.: i know
T.: impressive!
T.: mine has nothing
T.: as you know
R.: yes
R.: but you have R2-D2.
R.: which is a turn on.
T.: that's true .. and I'm sure you
realise that I can not walk past there without thinking
of how sick you are!
R.: is that a compliment?
T.: of course it is

15.05.09

Irgendein Weihnachten in Prag

26. Dezember

Um 5:39 Uhr setzt sich der D-Zug, langsam und polternd, in Bewegung.
Ich sitze mit einer viel zu großen Tasche in einem viel zu verrauchten Abteil mit abgewetzten, viel zu grünen Sitzen, aber immerhin alleine. Außer mir sind, so schätze ich, nur noch zehn weitere in dem gesamten Zug.
Wenn ich nach draußen sehe, sehe ich nichts außer schwarzem Morgen, nichts kann ich erkennen, so sehr sich meine Augen auch anstrengen, kein Licht, keine Straße, keine Häuser, nicht einmal dunkle Landschaften sehe ich.
In Prag angekommen, treffe ich sie in der Eingangshalle des Bahnhofs, ein wenig krank sieht sie aus, aber schön. Schön krank. Sie trägt eine Wollmütze, Jeans, Turnschuhe, ich eine Lederjacke, Jeans, Turnschuhe, keine Mütze.
Es ist kalt in Prag, es schneit, aber nicht viel, ein bisschen Schnee bleibt liegen, aber das meiste verweht irgendwo in der Luft und macht diese fast undurchsichtig und gespenstisch. Sie lächelt mich an, sagt, das sie wirklich krank sei und ich nicke nur, benommen von ihr und der Kälte und ich versuche irgendwie zurückzulächeln, weiß nicht so recht ob es mir gelingt und versuche nur jede Sekunde in Gedanken aufzuschreiben, jede Sekunde mit ihr irgendwie zu behalten, jeden Blick, jede Berührung, die zufällig passiert, denn wir gehen nicht Arm in Arm, der Begrüßungskuss war flüchtig auf die Wange und Prag wird immer kälter an diesem Morgen und die Sicht beträgt nicht mehr als 50 Meter, vielleicht.

Ich sage ihr, dass ich jetzt keine Stadttour will, weil ich Prag kenne, was sie sichtlich erleichtert und so gehen wir in irgendein Cafe und trinken Espresso und reden über irgendetwas unwichtiges und noch immer berühren wir uns nicht sondern sitzen einfach nur da und reden irgendetwas über irgendwen und dann über Prag und über Berlin und über Weihnachten. Ich frage sie, ob die Geschäfte denn alle zu hätten heute. Sie sagt, das wisse sie nicht.
Ich trinke meinen Espresso. Sie trinkt ihren Espresso.
Soviel zu Prag.


(Aus: "Wann ist Schluss?")

13.05.09

not too shabby













midnight to six
dillinger and leroy smart
your cool operator
i miss those nights
of league tables
if i only could turn back time.
now we’re all too busy fighting
for a good place under the lighting
roots
rock
rebel
love