29.06.11

STADTFAHRT OST

"Meine Frau und ich sind Mittagsschläfer. Deshalb verkraften wir Zeitzonen besser als andere Menschen. Nächste Woche gehts nach Los Angeles, Vegas. Frisco. Habe mir gestern noch Tickets für Alcatraz bestellt - sollte man immer so früh wie möglich machen. Alcatraz ist sehr beliebt, wissen sie." (Taxi)

Auf dem Zebrastreifen, eine Frisur wie 40 Stunden Seitenwind.
Warschauer Strasse, Currywurst und Pommes,
alles nochmal friteusenmäßig angehitzt.
Die Sonne geht hier unter, hinter den Brücken, sie blitzt nochmal auf, zwischen den jungen Menschen in Band-T-Shirts und zerlumpten Turnschuhen.
Eine Glatze weiter links. Alles halb so wild.
Ein Tross Menschen mit alternativen Lebensideen
und Handbier kriecht schwitzend Richtung Revaler Strasse.
Suche Karte auf bemalten Pappschildern. Keine übrig, keine übrig.


26.06.11

IT WAS THE NIGHT BEFORE CHRISTMAS (SUMMER)

der geduldsfaden, farblos, ist haudünn und angerissen, luftdruck mässig bis beschissen, zu lange am warten dran gewesen (hier spricht man anders als gelesen), die zeit rast durch alle wunden, in etwa vierundzwanzig stunden, ein paar tage nachhall kommt on top, wenn das licht ausgeht: heissts stopp. und zeit zurückgedreht, den lieben gott verprügelt und dann angefleht, lass es alles besser werden als es bisher war, wo bist du, bist du auch hier, ich bin da, zumindest kurz dann vom acker, diese kerze schafft nicht viel, nur geflacker, spielt das eine rolle - wenn ich morgen tanze um mein leben, süßer jesus, lass sie alles geben.

24.06.11

DIESMAL

:
Keine Angst, hier explodiert nichts mehr (sagte der Polizist)
Diesmal ist das Buch wirklich gut (sagte der Schauspieler)
Ab morgen haben sie wieder Internet (sagte die Telekom)
Der Hund beisst nicht (sagte der Marzahner)
Diesmal kommt die Message rüber (sagte der Kreative)
Berlin wird (sagte der Geisteskranke)




22.06.11

ZWANZIG ZEHN

Hängt ne Menge dran
von gestern und heute und morgen.
Ist ganz schön Tränendrüse und so.
Harmonien und Kopfnicken, Hüftwippen,
Faustballen, in der Hosentasche.
Alles, das ganze Programm.
Lachen aber auch, da können sie sich sicher sein.
110 Dezibel auf Kopfhörern, die ihr Geld kaum wert sind.
The unsuspected victim
Sie hat alles schnell vergessen.
Ist ganz schön viel Enttäuschung und Freude.
Nichts passte

21.06.11

DIE GROSSE FREMDE, UFER, SIXPACK


KLEINSTEINCHENWEG IN KREUZBERG 36
UFERSTRASSE LINKS, DAS WEISS ICH
BRÜCKENWACKELN, MORGENSONNE
DANN VORBEI AN ABFALLTONNE
HINTERHOF, WIEVIELTER STOCK
BUDE: ROCKN ROLL BAROCK
REFELEKTORENSTÄNDER
WLANBOXANTENNENSENDER
LEICHTIGKEIT UND WEISHEITSSPRÜCHE
DRECKIG, ABER EINBAUKÜCHE
STYRO LINKS UND RECHTS NE LAMPE,
AUCH WENNS SPÄT KOMMT:
DANKE, DANKE.

18.06.11

1-4




1. DER KANDIDAT HAT HUNDERT PUNKTE
2. ES IST WICHTIG, WIE LIEDER ENDEN
3. KAI EBELS GIRAFFENKRAWATTE IST OPTISCH NÜCHTERN
4. JE DUNKLER DIE STADT, DESTO BESSER

17.06.11

FAST IST ES JULI

nächte, nächte, als ob mir das was brächte, und bäume, mal kahl, mal schneebedeckt, mal voller grün und schwere äste und kinderwägen und auf der wasserrutsche badehosen, im sand davor zwei coladosen, zweitausendelf und sommer, fast, zumindest wärme, temperaturbedingt und augen zu und durch und videotheken an der ecke und kleiner hund an langer leine und stampfstampf im schnee und gebell


14.06.11

SLIVER


death race on a japanese tv set empty bottles panorama on a crusty wooden canvas and red stains that sprinkle dare to remember

/ to maintain a perfection suffered from those winterweeks dirt white studio cassetteplayer coffee hazelnutty liberation dusty hearts its the strangeness its the strangeness that makes a skull look friendly its the strangeness the wild into the wild where turtles dwell and jump you know your way around smoking menthol at five a.m.

11.06.11




















10.06.11

SOMMERFEST, BZ

Der TVB Moderator im hellen Anzug, das Hemd leger aus der Hose, die Haare frisch geföhnt. Your time to shine. Ehefrauen von Anzeigenkunden tragen hier pinke Kostüme und kleine Kunstlederrucksäcke als Handtaschenersatz. Es gibt Wildschwein und Würstchen und "saisonalen Räucherfisch". Der Discjockey ist Mitte 40, trägt auch einen hellen Anzug und steht mit seiner Musikanlage in einem Scheuneneingang. Er wippt mit bei "Sie liebt den DJ" und "Footloose", ist aber scheinbar geistig abwesend bei DJ Ötzi. Er holt sich schnell eine Wurst. Die Musik läuft leider weiter. Der Friseur humpelt zur Sektbar. Der Medienexperte lacht. Das Buffet wird eröffnet. Alle stehen Schlange. Viele Finger zeigen erst auf eine grosse Schüssel mit Gurkensalat, dann auf Frank Zander.
Am Biertisch nebenan redet man über Axel Springer und die tollen Freizeitmöglichkeiten Berlins, es werden ein paar rustikale Witze erzählt. Überall Fotografen, die keine Motive finden, beim Sommerfest der größten Zeitung Berlins.
Der TVB Moderator steht verloren mit seinem Kameramann vor dem Grill, sucht verzweifelt Interviewpartner und blökt: "Film mal das Wildschwein, aber von hinten."

08.06.11

DIE SPITZE DES EISWÜRFELS

"Ach, hören sie doch auf mit ihrem Gelaber. Natürlich ist John Williams besser als es Beethoven jemals war. Nur bin ich vielleicht der einzige, der das öffentlich zugibt. Das ist doch wieder einmal typisch für ihren Zustand, wissen sie? Wenn es einen Ort gibt, an dem sie jetzt am liebsten sein würden, ist doch dieser hier am weitesten davon entfernt. Man sieht es ihnen an, da können sie noch so sehr versuchen, ihre Gefühle zu verstecken. Noch ein paar Wochen haben sie Zeit, bis sie wieder über mittelalte Frauen lästern, die durch die Stadt eiern in exotischen Gewändern, die sie aus exotischen Ländern mitgebracht haben, Saris und diesen ganzen Kram und behangen sind mit Holzschmuck aus Entwicklungsländern und die sich zu Hause geschnitzte Elefanten in ihre Billy-Regale stellen, neben den Kinderfotos und Porzellankatzen aus Porzellankatzenmanufakturen aus den neuen Bundesländern oder aus Dänemark, dem Mekka der Porzellankatzenmanufakturen, aber das weiss ja jeder. Schönen Tag noch."

03.06.11

OLD

the air to breath is merged with dusty snow

at three thirty five, like a lethal flow

the night will fall, no matter if you try to fight it

here's to the day, with hugs, never mind it

are you scared of things you'll never meet

phobic to all stuff that bleeds





02.06.11

OSTAPFEL, KOMMA

Der Billiggrieche war ganz weit vorne, wo sonst alles hinten blieb. Den Erwartungen ein Storno, die man so hat, die man so liebt. Am Anfang, in der Mitte und so kurz vor Ende Ich hätt' noch eine Bitte. Sie wissen schon, geblendet. Aber wenn's dann kommt, schreien alle Oh mein Gott. Und keiner hat's gewußt, das alles vorher schon die Würmer hatte. Denn der Apfel sieht noch lecker aus, auch wenn er von innen schon von Fäule singt

ALTES

Aber ich liebe diesen
Kudammgeburtstag!
125 Jahre miese Stimmung
und Oldtimer und Amiklitschen
und die Stände hier haben
Deftiges und feine Biere
und die ganze Strasse duftet
nach Pilzpfannen
und Reibekuchen
und Friteusen.
Und es ist erst halb neun am morgen,
kurz vor Sommer.

27.05.11

EIN PAAR WORTE WEITER UNTEN

Und ich krieg echt die Krise, wenn ich diese verdummdidummte Heidi Klum nur für Sekunden sehen muß und Ihre Stimme höre in dieser ekeligen Show und wäre mein Fernseher nicht angenagelt, hätte ich ihn jetzt schon wieder aus dem Fenster geworfen in der Hoffnung, er hätte irgendeinen Tatortkommissar getroffen, der unten vorbeistolziert, irgendein Typ aus dieser beschissenen Reihe und es ist mir unfassbar, wie man ernsthaft Sonntags seine Zeit damit verschwenden kann, bemühten deutschen Filmemachern Applaus zu klatschen, die mit pseudo-aufregenden Kamerafahrten ein Taxi durchs armselige Bild wischen lassen und alle zwei Minuten Berlin etablieren müssen, so als Hintergrund, denn irgendwie spielt die Stadt ja auch eine Rolle und dann noch eine wichtige, wissen sie und Zack! schon wieder der Fernsehturm, unter dem sich sogenannte Schauspieler winden und in angewackelten Bildern mit ernster Miene nebulös konstruierte Mordfälle zu lösen versuchen während auf einem anderen Sender Mario Barth und Michael Mittermeier und Atze Schröder sich gegenseitig ihre Finger in den Arsch stecken vor einem, gott weiß warum, Publikum, das nicht aus Schauspielern besteht und das auch noch lacht und alle tragen T-Shirts mit lustigen Sprüchen und jetzt kommt auch noch, oder zumindest, Werbung, aber dann hörst Du dort Cassandra Steen singen, die echt eine gute Stimme hat und sie hat ja jetzt eine neue CD, auf der sie viel zu lange Liebeslieder leiert in schwarz-weissen Musikvideos, die aber nur ihr zweifarbiges Talent zeigen, in Unschärfen und ach kommt die eigentlich aus Berlin, da wo die Taxen durch Tatortbilder wischen, mit Fernsehtürmen und Gedächtniskirchen und dem Potsdamer Platz, von dem die abgetakelte Technohummel Marusha steif und fest behauptet, dass er besser sei als New York und allein dafür sollte man sie bestrafen mit einer Wohnung am Hackeschen Markt oder einer Tonnentasse Folterkaffee aus dem Einstein oder Caras oder Balzac, diesen uninspirierten Coffeeshopdrecksläden, in denen Touristen und Berlinliebhaber auf unbequemen Billigholzstühlen ihre Ärsche plattsitzen und per iPhone ihre Partybilder von der letzten Nacht im Puro oder im Felix oder im Spindler taggen und kommentieren, auf denen aufgeblasene Milchbubis 3-Liter-Wodkaflaschen mit zitternden Ärmchen an ihre Kinderschnuten halten bevor sie kotzend im Taxi sitzen, auf dem Weg zurück nach Mitte oder Dahlem, vorbei am Fernsehturm, vielleicht, wo eben dieses Taxi durch das krampfhaft improvisierte Bild des Tatorts wischt, während am Horizont langsam aber unaufhaltsam eine fahle Sonne ihr erstes Licht über die kastrierte Zwergenskyline der Stadt würgt.

(to be continued)

FÜR MICH

/ irgendwann stehst du auf, am morgen
/ und dein weiches leben bröckelt
/ wenn das geräusch vom untergang untergeht
/ denn stöckeln
/ klackert lauter als die rufe
/ die runterhallen in deine richtung
/ von der nächsten stufe
/ für den moment die gute welt
/ fast zum greifen nah
/ doch jeder weiss und lacht sich schlapp
/ bald bist du wieder da

25.05.11

2232



DER LANGE TRECK (IM ZDF)
BETTFLUCHT UM FÜNF UHR DREISSIG / INSTANTKAFFEE BESSER ALS SEIN RUF
(ZUMINDEST BESSER ALS TEE)
BBT UND HIMYM / BETROGEN UND AUSGENOMMEN VON HUPFDOHLEN
(TANZEN, TANZEN, ANIMIEREN)
UND DIE IN DER NACHT IHREM GEWERBE NACHGEHEN
NACHGEBEN

22.05.11

DAS GROSSE KAUERN

Noch im Taxi,
in einer manikürten
Hand der Wodkatumbler
aus dem King Size, dem
Himmel und der Hölle,
selbst die Eiswürfel
sind noch frisch und prall
und in den Ohren das
vertraute Rauschen
und selig sind wir
und die wenigen Lichter
ziehen vorbei an der Scheibe
aus Sicherheitsglas,
die uns schützt
vor dem da draussen, oder umgekehrt.
Später dann, ich kauere
mit angezogenen Beinen
und leicht nach vorn
und hinten wippend
in einer Ecke meines
Wohnzimmers und
freue mich, dass ich
in Berlin wohne.
Man vermisst sie
schon in solchen Momenten,
man vermisst sie schon.

20.05.11

HARLEM RIVER DRIVE



we should take the turnpike now
and be missed before the morning dew
i had too many fools i counted on
lazy cities got me down
get me out of here.

112B

Er saugt dich von der Strasse, spuckt dich aus, nach innen. Stehende Leichen, neben Dir. Rechts, vor dem Sofa, steht er dann. Die Theke wirkt wie eine gigantische Krücke, die ihm noch so grade Halt gibt. Ein Übrigbleibsel von letztem Jahr und dem davor. Seine Nadel springt immer wieder auf die schlechteste Stelle zurück. Man hätte Dir sicherlich die Hand ausstrecken können, nicht nur an dem Abend, aber irgendwie passt das nicht zu mir. Die Musik dröhnt, ein paar Hände sind in der Luft, die bemalten Lampenschirme wackeln. Der DJ ist gut, weil unbekannt. Hinter der Bar ist vor der Bar. Es regnet Servietten. Du wankst. Ich rede mit dir, mit nüchterner Überheblichkeit. Du antwortest irgendetwas, aber es kommt nicht an bei mir. Irgendwann bist Du plötzlich verschwunden. Gott sei Dank. Es rücken bessere Menschen nach und kreischen ihre Bestellung Richtung Bar. Ich werde geschubst und bedrängt, irgendeine Hand an meinem Hintern. Später trage ich einen goldenen Zylinder auf dem Kopf.